Geschichte


Lesen Sie einen Auszug aus der weltlichen
                         und der kirchlichen Geschichte Muschenrieds...

 



Inhalt der weltlichen Geschichte:

  1. Munschenreyt wo 5 Mann sitzen
  2. Ja so warns, die alten Rittersleut...
  3. Neue Herren
  4. Pest, Hunger und Krieg
  5. Füchslein, du hast dir eine schöne Höhle gebaut
  6. Lieber bayerisch sterben, als österreichisch verderben
  7. Die Hofmarksherrschaft und ihre Untertanen
  8. Truppendurchzug, Hungersnot und Feuersbrunst
  9. Von der Winkelschule zur modernen Verbandsschule
  10. Muschenried, eine See- und Handelsstadt
  11. Der Weg zur Gegenwart

 


 

Munschenreyt wo 5 Mann sitzen

ca. 730 Jahre sind es her, seit Muschenried erstmals urkundlich erwähnt wurde. Im herzoglichen niederbayerischen Salbuch – es wurde um das Jahr 1270 angelegt – ist Muschenried als vierte von zehn „Zugehörungen“ zum Amte Schneeberg (=Altenschneeberg) aufgeführt: „Daz ist daz haus ze Sneberch mit der Gilt (=Steuer) als geschriben: 4. Munschenreyt wo 5 Mann sitzen, Gilt ½ Pfund und 10 Pfennige.“

Um es gleich vorweg zu sagen: große Bedeutung hat der Ort nie erlangt. Seine Geschichte steht vielmehr in enger Beziehung zum Haus Schneeberg und zur Herrschaft Winklarn, zu der er später gehörte. Das Haus Schneeberg war damals Eigentum der Ortenburgischen Herrschaft. Nach mehrmaligem Besitzwechsel kam es im Jahr 1400 an die berühmt-berüchtigten Zenger. Tristam I. der Zenger lag von 1425 bis 1429 in Fehde mit den Münchner Herzögen, und er scheute sich nicht, die Hussiten zu Hilfe zu rufen. Diese fielen wiederholt in der Oberpfalz ein, nachdem Johannes Hus beim Konzil in Konstanz wegen seiner ketzerischen Lehren auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden war.

1432 kamen die Hussiten unmittelbar in unsere Gegend, als sie über Schönsee und Winklarn in die Oberpfalz eindrangen. Diese Einfälle bedeuteten für die Bewohner bittere Not, und sie wurden davon erst befreit, als die Hussiten am 21.09.1433 bei Hiltersried vernichtend geschlagen wurden.
Hans Zenger – er wird im Volksmund der „wilde Hans“ genannt – verließ als 70-jähriger Mann das Kloster Schönthal, um an der Schlacht teilzunehmen. Er kämpfte am linken Flügel und soll ein „gar gestrenger Fechter“ gewesen sein. Vor dem hauste er auf der Burg Altenschneeberg und erlangte dadurch Berühmtheit, dass er noch als alter Mann das schöne Ritterfräulein Eleonore vom Frauenstein entführt haben soll. Kaum aber war die Hussitengefahr vorüber, brach im nächsten Jahr die Pest aus und wütete bis 1439. Dazu kam als Kriegsfolge eine gewaltige Teuerung.

Arge Bedrängnis brachte auch der Landshuter Erbfolgekrieg (1504/05). Muschenried und Haag mussten darunter besonders leiden, denn beide Orte wurden geplündert. Den Bauern trieb man das Vieh von den Höfen. Angesichts der großen Not sicherte Kurfürst Friedrich im September 1508 der verarmten Bevölkerung seine Hilfe zu.

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Ja so warns die alten Rittersleut...

Durch einen weiteren Umstand waren die Zenger noch berüchtigt: als gefürchtete Räuber und Raufbolde trieben sie ihr Unwesen. Vorübergehend besaßen sie neben Altenschneeberg und Frauenstein auch Thanstein und Schwarzwihrberg. Sie lauerten nicht nur den vorbeiziehenden Kaufleuten auf, sondern verschonten auch ihre eigenen Untertanen nicht.
Die besten Fänge machten sie als Wegelagerer in Pillmersried, wo der Weg nach Thanstein die alte Rötzerstraße kreuzte. Viele Bauern, die Vieh und Getreide auf den Markt nach Rötz brachten, wurden dort ausgeraubt. Zügellos umherschweifende Burgknechte überfielen Gehöfte und Dörfer, plünderten und jagten den Familienvater zum Haus hinaus.

Das Raubritterunwesen nahm dermaßen überhand, dass Kaiser Maximilian den Schwäbischen Bund veranlasste, dagegen vorzugehen. Als aber die schlauen Zenger merkten, dass ihre alten Burgen den neueren Geschützen nicht mehr Widerstand leisten konnten, verkauften sie ihre bisherigen Besitze und machten sich aus dem Staub.

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Neue Herren

1508 kam die Burg Schneeberg mit allen Zugehörungen – somit auch Muschenried – an Thomas Fuchs. Er erwarb außerdem noch Tiefenbach, Frauenstein, Reichenstein und Schönsee und vereinigte sie zu einer Herrschaft. Als Reichshauptmann war er Vertreter der Stadt Regensburg beim dortigen Reichstag. Da die Burg Altenschneeberg zu dieser Zeit bereits verfallen war, bewohnte er sie nicht mehr, sondern ließ sich in Tiefenbach nieder.

Ritter Hans Fuchs, einziger Sohn des Thomas Fuchs, übernahm 1526 die Güter seines Vaters. Muschenried wird in einer von Hans Fuchs am 12.11.1548 ausgestellten Urkunde erwähnt. Darin überließ er den Bürgern den von da ab genannten „Burgerweiher“ u. a. zu folgenden Bedingungen:
Jedes Mal, wenn zu seinen Lebzeiten der Weiher ausgefischt wurde, sollte jedes Haus in Winklarn und Muschenried mit einem Rauch (Feuerstelle) einen Karpfen bekommen. Mit dem Erlös der verkauften Fische war der Weg nach Böhmen – er führte über Haag – zu unterhalten. Das dafür nicht benötigte Geld sollte zur Unterstützung der Ortsarmen in Winklarn und Muschenried verwendet werden.

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Pest, Hunger und Krieg

Vom 30-jährigen Krieg (1618-1648) blieb unsere Gegend nicht verschont. 1621 wurde das Grenzland unmittelbar in das Kriegsgeschehen einbezogen. Es begann die Zeit der Einquartierungen und der Durchzüge der verschiedensten Kriegsvölker. Sie plünderten, brannten und trieben das Vieh fort. Fuchs hatte seine Güter inzwischen an Georg Freiherrn von Weichs verkauft, bekam aber von diesem nur einen Teil des Kaufpreises. Da Fuchs in schwedische Dienste getreten war, belegte Kurfürst Max I. von Bayern die Restsumme mit Beschlag und schickte bayerische Truppen auf die ehemalig Fuchs`schen Güter.

Von der Bevölkerung waren enorme Kriegskontributionen an das Pflegeamt in Murach zu zahlen. Zum Krieg gesellte sich die Pest. Auch nach dem Westfälischen Frieden 1648 hielten die Einquartierungen an, noch im Jahre 1663 zogen Mordbrenner durch das Land. Überall sah es trostlos aus. Die Bevölkerung war verarmt, zahlreiche Äcker blieben unbebaut. Es dauerte Jahre, bis sich das verwüstete Land wieder erholt hatte.

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Füchslein, du hast dir eine schöne Höhle gebaut

Im 17. Jahrhundert mussten die Muschenrieder eine Reihe von Leistungen an die Hofmarksherrschaft in Winklarn erbringen. Dazu gehörten die Frondienste. Es waren die öffentlichen Wege herzurichten, die Felder des Gutsherrn zu bestellen und das Zehentgetreide im Hofstadel zu dreschen. Auch gehörte die sog. „Hofgespunst“ dazu. Das bedeutete, dass die Untertanen den Flachszehent zu leisten hatten und außerdem jeder Hof 2 Pfund „gar klaren“ und 2 Pfund „groben“ Flachs spinnen musste. Fuchs hatte die Scharwerk den Untertanen zwar verkauft, jedoch behielt sich seine Frau das Spinnen als eine Frauenscharwerk vor. Die Muschenrieder waren mit dieser weiblichen Finesse ihrer Herrin nicht einverstanden. Sie leisteten Widerstand, hatten aber keinen Erfolg.

Zwar befreite die Gutsherrin Sybilla Fuchs ihre Untertanen von der „Hofgespunst“, Johann Friedrich Graf von Aufseß führte sie aber wieder ein. Erst im Jahre 1848 wurde die Verpflichtung zusammen mit anderen Frondiensten aufgehoben.

Oft gebraucht war die Redewendung „Füchslein, du hast dir eine schöne Höhle gebaut, aber deine Untertanen werden es empfunden haben“. Diese spitzige Bemerkung soll von Kurfürst Friedrich V. von der Pfalz und Oberpfalz stammen und auf das prachtvolle Schloss hinweisen, das sich Fuchs mit dem kräftigen Zutun seiner Untertanen erbaut hatte.

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Lieber bayerisch sterben, als österreichisch verderben

Im spanischen Erbfolgekrieg (1701 – 1714) fielen 1703 österreichische Truppen in die Oberpfalz ein. Es begann eine harte Zeit der Unterdrückung. Fast unerschwingliche Steuern bürdete man der Bevölkerung auf, und Quälereien waren an der Tagesordnung. Als junge Männer zum Kriegsdienst für Österreich eingezogen werden sollten, wuchs die Erbitterung. Mit dem Ruf „lieber bayerisch sterben, als österreichisch verderben“ schlossen sich viele dem mutigen Pfarrer Miller auf Oberviechtach an und versuchten, den Feind zu vertreiben. Am 16.01.1706 mussten sie sich der österreichischen Übermacht ergeben. Pfarrer Miller wurde hingerichtet. Die Österreicher blieben noch acht Jahre – bis 1714 – in der Oberpfalz.

Auch im österreichischen Erbfolgekrieg (1741 – 1745) drang 1742 ungarische und böhmische Kavallerie ein. Von jedem Hof mussten Brot, Getreide, Stroh und Heu abgeliefert werden, um sie zu versorgen. Ende des Jahres marschierte eine große österreichisch-ungarische Armee durch unsere Gegend. Bis zum Ende Winter 1744 dauerten die Truppendurchzüge an. Vielfach ereigneten sich Übergriffe.

1761 kam es zu einer großen Teuerung. Die Preise stiegen von Tag zu Tag. Noch am 19.03.1770 viel so tiefer Schnee, dass die Verbindungswege zwischen den Dörfern ausgeschaufelt werden mussten. Als danach große Kälte eintraf, wurde die gesamte Wintersaat vernichtet. Drei Jahre hintereinander gab es Missernten. In jener Zeit wurde bei uns die Kartoffel erstmals als menschliches Nahrungsmittel verwendet.

Im bayerischen Erbfolgekrieg (1778 – 1779) kamen zwar österreichische Truppen in die Umgebung, es gab aber keine Waffentaten. Hauptsächlich hatten sie es auf die Kartoffelfelder abgesehen. Durch unablässige Vorspannleistungen, Einquartierungen und Kontributionslasten wurde aber dennoch die Bevölkerung hart mitgenommen.

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Die Hofmarksherrschaft und ihre Untertanen

1794 kam die Herrschaft Winklarn durch Tausch an Adam Anton Bernclo. Aufgrund der Kriegslasten und der wirtschaftlichen Schwierigkeiten musste sie jedoch im Jahre 1801 versteigert werden. Eine zu diesem Zweck angefertigte Beschreibung gibt Aufschluss über die Rechte der Hofmarksherrschaft in der damaligen Zeit.
Sie hatte über allen Untertanen nicht nur die niedrige Gerichtsbarkeit, sondern auch die hohe und peinliche Jurisdiktion auszuüben. Zu diesem Zweck besaß sie ihr eigene Hochgericht und einen Bannrichter. Auf dem Galgenberg war ein Galgen errichtet, durch den die Todesurteile vollstreckt wurden. Ab 1814 stand die Hochgerichtsbarkeit dem Landesherrn zu, und der Galgen wurde abgerissen. Das Herrschaftsgericht existierte noch bis 1834.

Die Herrschaft besaß weiterhin die Grundherrlichkeit über alle Untertansbesitze, hatte die Fischgerechtigkeit und konnte die hohe und niedrige Jagd alleine ausüben. Sie bekam den Lämmer- und Blutzehent von der ganzen Hofmark, das bedeutete, dass jedes zehnte Junge von Schafen, Ziegen, Schweinen, Rindern und Pferden abgeliefert werden musste. Weiterhin waren erhebliche Küchenlieferungen mit Hähnen, Hennen, Diensteiern und Schmalz zu leisten.

Der Getreidezehent von Muschenried hingegen zog das Kloster Schwarzhofen ein. In Muschenried befand sich ein Zehentstadel. Er stand in der Erlengasse zwischen den Anwesen Hutzler und Dirscherl. Außerdem waren zwei Mühlen in unserem Ort benannt. Die Mühle Stöckerl arbeitete bis Ende der 20er Jahre dieses Jahrhunderts, die Mühle Fichtinger stellte erst in den 60er Jahren den Dienst ein.
Durch die Versteigerung kam die Herrschaft Winklarn in den Besitz von Karl Wilhelm Graf von Eckart von Leonberg. Die Nachkommen dieses Geschlechts sind unter dem Titel Graf Du Moulin Eckart noch heute Besitzer dieser Güter.

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Truppendurchzug, Hungersnot und Feuersbrunst

1810 und 1811 kamen Franzosen in unsere Gegend, als Napoleons „große Armee“ nach Russland zog. Aber bereits 1814 war von Böhmen her ein russisches Korps eingerückt und bezog Quartier. Die Russen müssen ziemlich urwüchsige Burschen gewesen sein, denn man berichtet, dass sie sich Giftschwämme zubereiteten und rohe Forellen genüsslich verspeisten.

1816/17 herrschte bei uns ein bitter empfundene Hungersnot. In Folge des ständigen Regenswetters verfaulte das Getreide auf den Feldern. Die Leute schnitten die unreifen Ähren ab, trockneten sie am Herd und zerquetschten die Körner mit einem Hammer. Aus der Masse kochten sie Muse und Suppen oder backten Brote, die aber nicht zusammen hielten. Das Getreide war so teuer, dass ein Magd mit ihrem ganzen Jahreslohn nur eine einzige Maß Weizen hätte kaufen können.

1818 kam es zu einem Vergleich zwischen der Gutherrschaft und den Untertanen wegen des Beholzungsrechtes. Den am Kreuzberg gelegenen Walddistrikt bekam dabei Muschenried zugesprochen. 1828 wurde Muschenried von einer großen Feuersbrunst heimgesucht. Das Feuer brach im damaligen Meindlhaus aus. Vor dem Brand bestand das Dorf aus vier Teilen: dem Bücherl, dem Gestaderer, der Erlengasse und dem eigentlichen Dorfe. Beim Wiederaufbau rückten die bisher eng aneinanderstehenden Häuser auseinander, als Neuanlage entstand der Letten. Durch diesen Umstand bildetet sich ein hufeisenförmiges Ortsbild.

Das Jahr 1848 brachte auch bei uns viele Änderungen. Die Herrschaft löste die gutsherrlichen Rechte und Gefälle gegen einen jährlichen Geldbetrag an den Staat ab.

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Von der Winkelschule zur modernen Verbandsschule

Mit der Schule – namentlich mit den Lehrern – war es noch bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts schlecht bestellt. In Muschenried stand bis zu dieser Zeit eine Nebenschule in Form einer sog. „Winkelschule“. Deren Leiter musste Inhaber eines „stillen, sitzenden Handwerks“ sein. Über sie wird im Jahre 1834 berichtet: „Die Nebenresp. Winkelschulen sind nicht oder äußerst gering qualifiziert. Der (Lehrer) in Muschenried ist ein Schneider und hält in seiner Wohnung Schule“.
Der genannte Schneider hieß Karl Mehltretter und wohnte im Gestaderer. Sicherlich hatte er viel Mühe, aber auch Geduld aufzubringen, die Kinder neben seiner Handwerkstätigkeit im Lesen, Schreiben und Rechnen zu unterrichten. Von jedem Schulkind erhielt er jährlich 42 Kreuzer.

Allerdings gab es bereits damals ein Fortbildungsprogramm für die Winkelschullehrer. Denn es gehörte zu den Berufspflichten, des ausgebildeten Winklarner Lehrers, dass er sich jeden Samstag nach Muschenried begab, um den Winkelschullehrer in die Schulmethoden einzuführen. Dafür bekam er einen Teil des eingehenden Schulgeldes. Da der Winklarner Lehrer aber auch seinen nebenberuflichen Kollegen in Schneeberg und Pondorf Nachhilfeunterricht erteilen musste war die Aufsicht wohl sehr gering.

Sicherlich wurden die Nebenschulen nur deshalb geduldet, weil der Schulweg nach Winklarn sehr beschwerlich war. Und da es 1834 in Muschenried bereits 70 Schüler gab, wurde eine eigene Schule beantragt. Im Jahr 1843 wurde sie im damaligen Lenz’n-Haus – wo jetzt der Pfarrhof steht – eingerichtet. Bald kam auch ein seminarisch gebildeter Lehrer und die Aufsicht von Winklarn her entfiel. Die zwei Klafter Dienstholz, die nunmehr die Schule Muschenried bekam, gingen durchaus dem Lehrer in Winklarn verloren. Um 1817 wurde ein eigenes Schulhaus erbaut.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts gingen sogar über 100 Kinder zur Schule, so das zeitweise eine zweite Lehrkraft eingesetzt war. Die niedrigste Schülerzahl – durch den Krieg verursacht – gab es in den 50er Jahren mit 18 Kindern.
Als es dann wieder aufwärts ging, wurde 1962 die alte Schule abgebrochen und ein neues Schulhaus mit zwei Klassenzimmern und ein Lehrerwohnhaus errichtet. Darin fand aber nur sieben Jahre lang Unterricht statt. Bereits 1968 kamen die oberen Klassen nach Winklarn, und 1969 wurde die Schule in Muschenried aufgelöst und dem Schulverband Winklarn eingegliedert. Josef Dobmann war der letzte Lehrer in Muschenried.
Im leerstehenden Schulhaus errichtete die Firma Dr. E. Sasse KG Schwabach ein Zweigwerk.

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Muschenried, eine See- und Handelsstadt

Diese Redewendung entstand, weil Muschenried in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts weithin durch den Eierhandel bekannt war. Johann Mösbauer und die drei Gebrüder Betz betrieben in im Großen. Im weiten Umkreis kauften sie die Eier auf, kalkten sie ein und belieferten vorwiegend die Konditoreien und Lebkuchenbäcker in Nürnberg. Teilweise wurden sogar Eier bis aus Ungarn oder aus der Ukraine eingeführt.

Da es zu dieser Zeit mit dem Verkehrswesen noch schlecht bestellt war – erst 1895 wurde die Lokalbahn Neunburg – Bodenwöhr eröffnet – mussten weite Strecken mit dem Pferdefuhrwerk zurückgelegt werden. Allwöchentlich fuhr der Bote Fichtinger, genannt Wölf, von Muschenried nach Amberg. Er transportierte das Getreide zur dortigen Schranne und brachte für die Krämer der Umgebung die nötigen Waren mit. Viele Muschenrieder waren in Amberg als Soldaten oder Dienstboten tätig. Wenn der Fichtinger am Freitag Abend beim Paulaner ankam, warteten sie schon auf ihn, denn er überbrachte briefliche und mündliche Mitteilung und hatte manche interessante Neuigkeit aus der Heimat zu erzählen.

Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts befand sich nämlich die nächstgelegene Post in Rötz. Jeden Samstag ging ein Bote von Winklarn nach Rötz und nahm die Postsachen in Empfang. Die Briefe für Muschenried und die anderen Orte wurden am Sonntag auf dem Kirchplatz öffentlich ausgerufen und vom Empfänger oder dessen Nachbarn entgegen genommen. Wenn ein Brief nach Muschenried zugestellt wurde, war das schon ein kleines Ereignis.

Die Eröffnung der Bahnlinie Nabburg – Oberviechtach 1903 und deren Fortsetzung bis Schönsee im Jahre 1912 brachten auch unsere Gegend dem Verkehr näher. 1924 erhielt Muschenried eine Posthilfsstelle. Sie war beim Wirt untergebracht und bestand bis 1945. Seitdem gehört der Ort zum Bezirk des Postamts Winklarn.

In früheren Zeiten war Muschenried von vielen Weihern umgeben. Die drei größten waren Lust-, Rodecker- und Armutsweiher. Das Wasser des Rodeckerweihers ging bis an den Felsen des Roten Hauses. Dieser Felsen ist auf den anderen Seiten von einem tiefen Graben umgeben. Das Rote Haus dürfte Sitz einer Beratungs- oder Gerichtsstätte gewesen sein. Heute noch kreisen schauerliche Sagen um diesen Punkt.

Bereits zu Ende des 19. Jahrhunderts standen die drei großen Weiher nicht mehr unter Wasser, sondern bildeten ausgedehnte Sumpfgebiete und Moore. Von daher stand die früher viel gebrauchte Redewendung: „Muschenried steht auf den Binsenstock und kann nicht untergehen.“
In warmen Sommernächten entzündeten sich manchmal die von den Mooren aufsteigenden Gase. Dadurch entstanden die berüchtigten Irrlichter. Wenn sie zudem von einem leichten Luftzug bewegt wurden, bald hier und bald dort auftauchten, oder gar große Sprünge machten, glaubte mancher ängstliche Wanderer ein Gespenst oder das Lichtlein einer armen Seele um sich zu sehen und geriet in Angst und Schrecken.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden die Sumpfgebiete nach und nach kultiviert. Auch die übrigen kleinen Weiher verschwanden. Heute sind daraus grüne Wiesentäler geworden.

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Der Weg zur Gegenwart

Im Jahre 1900 zählte der Ort noch 482 Einwohner. Bis 1925 war die Zahl auf 376 gesunken. Der 1. Weltkrieg (1914-18) brachte großes Leid über die Bevölkerung. 19 Männer kehrten nicht mehr in ihre Heimat zurück.

1920 bauten sich die Muschenrieder ein eigenes Elektrizitätswerk. Sie hoben den „Lichtweiher“ aus, kauften eine Turbine und eine Dynamomaschine und verlegten die Leitungen bis in den Ort. Das „Lichtmachen“ ging zwar sehr umständlich, aber ein Fortschritt war es trotzdem. Das Wasser wurde tagsüber angestaut und bei Einbruch der Dunkelheit abgelassen. Der so erzeugte Gleichstrom reichte gerade aus, um in jedem Haus zwei Glühbirnen spärlich zum Leuchten zu bringen. Es gab so lange Licht, bis der Weiher leergelaufen war. Je nach Wasservorrat und Jahreszeit saßen die Leute zwischen 21 und 0 Uhr im Dunkeln. Nachts lief der Weiher wieder voll, damit auch in der Frühe Strom erzeugt werden konnte.

Das Elektrizitätswerk wurde gemeinsam betrieben. Jeden Tag war ein anderes Haus an der Reihe, und es bedeutete für die Betroffenen schon eine Menge Arbeit, wenn sie 2x am Tag den langen Marsch zum Lichtweiher antreten und die halbe Nacht mitten im Wald verbringen mussten. 1929 wurde Muschenried an das Stromversorgungsnetz der damaligen Oberpfalzwerke angeschlossen und die ortseigene Stromversorgung eingestellt.

1937 begann der Bau der Ostmarkstraße, welche die Verkehrsverhältnisse entscheidend verbesserte. 1939 wurde sie dem Verkehr übergeben.

Im 2. Weltkrieg (1939-1945) verloren 36 Männer aus Muschenried ihr Leben. Ein schreckliches Vorkommnis ereignete sich in den letzten Kriegstagen, als mehrere Hundert KZ-Häftlinge aus dem Lager Flossenbürg auf dem berüchtigten Todesmarsch durch unsere Gegend getrieben wurden. Die Nacht vom 21. auf 22. April 1945 verbrachten sie auf einer Wiese unterhalb des Kreuzberges. In jener Nacht und am darauffolgenden Tag wurden in Muschenried 113 Häftlinge von ihren Bewachern erschossen, ein Beerdigungskommando verscharrte die Leichen an verschiedenen Orten.

Die Muschenrieder betteten daraufhin die Toten um und schufen eine würdige Grabstätte. 1950 wurde an der Stelle ein großzügig angelegter KZ-Friedhof errichtet. Insgesamt 333 KZ-Häftlinge, die in der Umgebung ihr Leben verloren hatten, fanden darin ihre letzte Ruhestätte. 1958 wurden sie nach Flossenbürg umgebettet. Heute erinnern ein Gedenkstein und ein Kreuz an die Toten, die vorübergehend bei uns ruhten.

Am 23. April 1945 rückten amerikanische Panzereinheiten in den Ort ein, und es begann die Zeit der Besatzung. Eine kleine Kuriosität sei erwähnt: als Kriegsbeute führten die Amerikaner die Fahne des im Jahre 1889 gegründeten und zu dieser Zeit bereits nicht mehr bestehenden Krieger- und Veteranenvereins mit. Die Fahne tauchte allerdings fast zehn Jahre später in Rittsteig im bayerischen Wald wieder auf und konnte nach Muschenried zurückgebracht werden. Etwa 20 Heimatvertriebene ließen sich nach dem Krieg in Muschenried nieder, aber bereits nach wenigen Jahren wanderten sie wieder ab.

Von 1945 – 1966 war Josef Reichenberger Bürgermeister der Gemeinde. Während dieser Zeit wurde der Weg zur Ostmarkstraße gebaut, die Ortsdurchfahrt geteert und im Jahre 1962 das neue Schulhaus errichtet. 1972 wurde die Gemeinde Muschenried in die Gemeinde Winklarn eingegliedert. Der letzte Gemeinderat wurde durch Albert Krämer (1. Bürgermeister), Franz Laubmeier (2. Bürgermeister), Georg Ederer, Josef Reichenberger, Adolf Betz, Johann Bösl und Johann Ried gestellt.

(Quelle: "700 Jahre Muschenried", Autor: Günther Gruber, zeitlich angepasst durch Hans Laubmeier.)

Hinweis:
Es wird noch eine chronologische Tabelle mit wichtigen weltlichen Ereignissen in und um Muschenried hinzugefügt!
Wir bitten Sie um etwas Geduld.

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